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Wissen ist Macht - nichts wissen macht auch nichts -

  • Autorenbild: Arno Schikowsky
    Arno Schikowsky
  • 13. Okt. 2020
  • 3 Min. Lesezeit

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Oberflächlich betrachtet wirkt der zweite Teil der Überschrift etwas provozierend und gibt zu Missverständnissen Anlass. Im Hintergrund wirft er aber berechtigte Fragen auf. Dem Wissen eines Menschen wird eine große Beachtung und Bewunderung zu teil. Dazu ist anzumerken, dass mit großem Wissen, der persönliche Wert eines Menschen an sich und darüber hinaus für die Mitmenschen sich nicht grundsätzlich ergibt bzw. sich steigert. Wie in fast allen Bewertungen muss auch hier der Ausnahmeregel Gültigkeit zugemessen werden.

Natürlich muss ein Mensch nicht unbedarft und unintelligent sein, um als gut und wertvoll anerkannt zu werden. Sicher ist das große Wissen, die intensive Forschung in verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen, wie Umweltschutz, Gesundheitsvorsorge, Erkennung und Behandlung von Krankheiten usw. wichtig und von Bedeutung. Das Trifft aber nicht auf eine große Masse der Menschen zu. Sie werden, im Besonderen die jüngere Generation, durch die Flut von Wissensangeboten durch die Medien, dazu zählt auch die hoch gelobte, immer mehr in´s Bewusstsein tretende digitale Welt, in eine Sucht-Situation geführt, zum Konsum verführt und aus egoistischen Gründen manipuliert.

Eigentlich sollen die modernen Medien der Kommunikation dienen, in Wirklichkeit werden die menschlichen Beziehungen aber oberflächlicher und schnelllebiger und mit wenig Worten oder Zeichen erledigt. Der persönliche Einsatz mit einem anderen in Briefkontakt zu treten, sich für ihn Zeit zu nehmen, ist im schwinden begriffen. Der Zeitaufwand, das intensive seelisch-geistige Auseinandersetzten mit dem Partner überfordert den Einzelnen und so bleibt der aufrichte Wille zu einer uneigennützigen Freundschaftsleistung meisten auf der Strecke.

Das große, allgemeine Wissen ändert recht wenig am Weltgeschehen, es verwirrt mehr als es an Klarheit zu vermitteln vermag. Es verschafft einerseits ein trügerisches Überlegenheitsgefühl gegenüber den Unwissenden, andererseits ist damit ein Unsicherheits- und Angstgefühl verbunden, was alles an Unwägbarem überraschend in´s Leben treten könnte. Man weiß und erfährt viel Negatives und hat doch keine Möglichkeit eine positive Änderung herbeizuführen. Daraus wird eine innere Unruhe geschaffen, die einer seelenbereichernden Aufbauarbeit zuwider läuft. Man erkennt vielleicht die Ursachen, ist aber nicht in der Lage, die Folgelasten auch nur im Ansatz einzuschätzen.

Mit einer Spruchweisheit meiner Mutter: "Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß", erfahren meine Betrachtungen und Erkenntnisse über das Thema Wissen/Nichtwissen ihre Bestätigung. Es geht also nicht grundsätzlich um das große Wissen, wichtig ist das Wissen um die unzerstörbaren, ewig gültigen Werte menschlichen Zusammenlebens, so wie sie der Philosoph auf dem röm. Kaiserthron Marc Aurel (121-180 n. Chr.) mit den drei Worten: "Werke der Menschenliebe" in seinen "Selbstbetrachtungen", (etwas um 175 n. Chr.) bezeichnet hat.

Die Beschäftigung mit dem unerschöpflichen Wissen, das sich dem Zeitgenossen eröffnet (z. B. durch das Smart Phone), lässt vielfach eine Zeit der Muse, Ruhe, Besinnlichkeit, des seelisch-geistigen Miteinanders in den Hintergrund treten. Hohe Intelligenz, das große Wissen - bedeuten nicht allein das große Glück. In der Unbedarftheit und Bescheidenheit finden sich viele kleine Glücke und Glücksempfindungen, die unser Leben bereichern.

Von einem tief- nachhaltig und vorausschauenden Bekannten habe ich mir sagen lassen : "Nicht die logische, sondern vielmehr die emotionale Intelligenz hat die Menschheit auf dem Weg zum ideellen Denken, Fühlen und Handeln beflügelt und vorangebracht". Die logische Intelligenz, das umfangreiche Wissen versperrt oft den Zugang zum einfachen, grundsätzlich-wichtigen Wissen, das erst ein reibungsloses, gutes und erstrebenswertes menschliches Neben- und Miteinander gewährleisten kann. Zu guter letzt möchte ich noch auf das allzeit faszinierende Wort "Macht" Bezug nehmen. Macht ist im Regelfall kein positiv zu bewerteter Begriff, obwohl ihre Ausübung für das zusammenleben von Menschen in Gemeinschaften erforderlich ist. Die vergangenen Jahrtausende haben uns aber auf bittere Weise gelehrt und zur Kenntnis gebracht, dass sie oft und immer wieder überschritten und missbraucht wird. Wenn also Wissen zu Macht führt und diese fasst immer ihre negative Eigendynamik entwickelt, wozu dann der große Aufwand, diesen menschenunwürdigen Zustand anzustreben, herbeizuführen und ausüben zu wollen? Diese Frage steht unbeantwortet im Raum!

Die in diesen Erkenntnissen anklingende Infragestellung der Worte: "Wissen ist Macht" überheblich abzutun mit der Bemerkung: "Minderwertigkeitskomplexe", ist unzutreffend, abwertend und lieblos.

Den lebensklugen, zum Denken anregenden Spruch eines unbekannten Verfassers, möchte ich abschließend dem geschätzten Leser/Leserrinnen an´s Herz legen:


"MACHT IST IMMER LIEBLOS - LIEBE NIEMALS MACHTLOS"


Hl. Blut, 17. September 2020

Josef Sanftl (*1939)




 
 
 

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